NACHSCHLAG - Esskultur in Wort und Bild - von Johannes J. Arens.
Die Dönerbox ist einer der kleinsten Nenner unserer urbanen Ernährung. Street Food avant la lettre, weil im wahrsten Sinne des Wortes für den Verzehr auf der Straße konzipiert. Anders als Pasta oder Wokgericht, servieren wir nämlich eher selten Döner daheim. Protein, Kohlenhydrate und Fett werden in einer Pappdose draußen gekauft. Die Kombination aus
Fritten und Döner ist ein anschauliches Beispiel für die Komplexität gelungener Integration.
Ein in Deutschland adaptiertes türkisches Kulturmuster, kombiniert mit einer belgisch-deutschen Rezeptur, serviert in einem von Asia-Imbissen abgeschauten Behältnis. Die Dönerbox ist kompatibler als die Currywurst, weil sie ohne Schweinefleisch auskommt, sie ist schneller zu haben als eine zu backende Pizza und hält länger vor als jede Nudelbox.

Effizienter könnte man die Sättigung kaum organisieren und für einen kurzen Moment decken sich Nahrungsaufnahme und Genuss. Nach dem Verzehr mit der Plastikgabel wird die Box entsorgt. Mitunter in einen Mülleimer, zumeist jedoch in den Rinnstein, auf den
Grünstreifen oder unter fahrende Autos. Aus und vorbei. Bis zur nächsten Mahlzeit.
Die gezeigten 20 Fotos wurden zwischen 2014 und 2016 zwischen Oppenhoffallee und
Jülicherstraße aufgenommen. Johannes J. Arens studierte Design und Kulturanthropologie. Als Autor und Journalist schreibt er über urbane Ernährung. Noch lieber als an der Schreibmaschine verbringt er seine Zeit in der Küche. www.nachschlag-esskultur.de

Finnisage: Samstag 16:00 Uhr